Bevor wir das erste Mal an den Gardasee gefahren sind, hatte ich eine ziemlich vage Vorstellung davon, wie dieser See eigentlich aussieht. Ein großer blauer Fleck auf der Karte, Italien, Berge irgendwo dahinter. Dass man sich mit dieser Vorstellung gründlich verplanen kann, merkt man spätestens, wenn man vom Südufer aus mal eben nach Riva fahren will und dafür eineinhalb Stunden pro Richtung braucht. Der Gardasee ist groß, und er ist an seinen beiden Enden nicht derselbe See.

Diese Seite ist deshalb kein Reisebericht, sondern eine Landkarte in Worten: wie der See aufgebaut ist, welche Orte an welchem Ufer liegen, wie weit die Wege wirklich sind - und welche Ecke zu welcher Art Familienurlaub passt. Ehrlich vorweg: Gewohnt haben wir am Südostufer, auf Camping Piani di Clodia bei Lazise, und außerhalb des Platzes waren wir genau einmal in Lazise selbst. Alles, was in diesem Text über das Nord-, West- und das nördliche Ostufer steht, ist deshalb Recherche und Einordnung, kein Erlebnisbericht. Wir sagen an jeder Stelle dazu, was davon was ist.

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Der See in einem Bild: oben schmal, unten breit

Der Gardasee ist mit rund 370 Quadratkilometern der größte See Italiens, etwa 52 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle im Süden rund 17 Kilometer breit. Er liegt an der Nahtstelle von drei Regionen: Der Norden gehört zum Trentino, das Westufer zur Lombardei, Ost- und Südufer zu Venetien.

Der Merksatz, der beim Planen wirklich hilft, ist dieser: Im Norden ist der See schmal, tief und fjordartig - eingerahmt von den Zweitausendern der Gardaseeberge, mit steilen Felswänden und alpinem Charakter. Im Süden ist er breit, flach und offen und läuft in die norditalienische Poebene aus, mit sanften Moränenhügeln, Weinbergen und Olivenhainen. Oben wirkt er wie ein Bergsee, unten wie ein kleines Binnenmeer.

Zur Orientierung: der See von Riva im Norden bis Peschiera im Süden - unsere Basis lag am flachen Südostufer bei Lazise
Riva del Garda Torbole Malcesine Torri del Benaco Garda Bardolino Lazise Peschiera Sirmione Desenzano Salò Gardone Riviera Limone

Süd- und Südostufer: die Familienecke

Peschiera del Garda, Lazise, Bardolino, dazu Sirmione und Desenzano auf der anderen Seite des Südzipfels - das ist das flachste und sanfteste Ufer des Sees. Das Wasser fällt hier flach ab, die Promenaden sind eben und kinderwagentauglich, und die Dichte an großen Campingplätzen ist nirgends höher. Auch die Freizeitparks ballen sich hier: Gardaland, Movieland, der Caneva Aquapark und der Tierpark Parco Natura Viva liegen alle in dieser Ecke, ebenso die Autobahnauffahrt und mit Peschiera ein Bahnhof.

Genau hier haben wir gewohnt, und dafür können wir aus eigener Anschauung sprechen: Es funktioniert. Der Seezugang unseres Platzes war ein aufgeschütteter Sandstrand, für den man nicht einmal Badeschuhe braucht, und zu den beiden Freizeitparks Movieland und Caneva sind wir zu Fuß gelaufen - fünf Minuten. Diese kurzen Wege sind mit einem Zweijährigen der eigentliche Luxus.

Der Preis dafür: Es ist voll. Wir waren Ende Juni da, als noch viel frei war, und selbst da war deutlich zu spüren, dass wir nicht allein sind. In den Sommerferien, sagen alle Quellen übereinstimmend, ist das die vollste Ecke des Sees.

Von den Orten kennen wir nur Lazise, und da sind wir ehrlich: Unten an der Uferseite ist es sehr nett. Mit Kleinkind kann man das mal machen - eine Empfehlung ist es nicht. Mehr dazu steht in unserem Artikel über die Ausflüge rund um Lazise.

Ostufer: die Olivenriviera

Nördlich von Bardolino heißt das Ostufer nicht umsonst Riviera degli Ulivi, Olivenriviera. Garda, Torri del Benaco und Malcesine reihen sich als Altstädtchen mit Uferpromenaden und Scaligerburgen aneinander; von Malcesine führt eine Seilbahn auf den Monte Baldo, was an Hitzetagen als kühlere Alternative gilt. Landschaftlich ist dieses Ufer der Übergang: je weiter nach Norden, desto hügeliger, desto schmaler die Uferzone, desto mehr Kies statt Sand.

Für Familien mit kleinen Kindern liest sich das laut Recherche so: der südliche Teil rund um Garda noch gut, weiter nördlich anspruchsvoller. Wer dorthin will, plant es als Tagesausflug vom Südufer aus ein, nicht als Badetag. Wir selbst waren nicht dort - Malcesine und der Monte Baldo standen auf unserer Liste und sind auf ihr geblieben.

Westufer: Zitronengärten und die Gardesana

Das Westufer gilt als das mondänere: Salò mit der größten Bucht des Sees und langer Promenade, Gardone Riviera mit dem Vittoriale und dem botanischen Garten, Limone sul Garda mit seinen historischen Zitronengärten und den fotogenen Gassen. Dazwischen zieht sich die Gardesana Occidentale als Panoramastraße teils durch Felstunnel am Ufer entlang.

Es ist grüner, steiler und ruhiger als der Osten, und es hat deutlich weniger Freizeitpark-Betrieb. Zum Bummeln und Anschauen klingt das großartig; für den Kleinkind-Badetag ist es laut allem, was wir gelesen haben, die schlechtere Wahl, weil die Ufer steiler sind und flache Badestellen seltener. Auch hier gilt: Wir haben es nicht selbst gesehen.

Nordufer: Wind, Berge, Sport

Riva del Garda, Torbole und das Bergdorf Nago oberhalb des Sees bilden das sportliche Ende. Der Grund sind die beiden thermischen Winde, die hier extrem zuverlässig wehen: morgens der Peler von Norden, nachmittags die Ora von Süden. Das macht Torbole und Riva zu europaweit bekannten Revieren für Surfer, Kiter und Segler, dazu kommen Klettern, Mountainbiken und der Wasserfall Cascata del Varone.

Fürs Baden mit einem Kleinkind ist das eher der falsche Ort - mehr Kies, mehr Wind, mehr Wellen. Für aktive Familien mit größeren Kindern dagegen ist es genau die richtige Ecke. Und es ist weit weg vom Süden, weiter als die meisten denken. Vom Südufer aus ist das ein ganzer Tag oder besser ein eigener Kurzaufenthalt.

Welcher Ort steht wofür

Die folgende Tabelle ist Recherche, kein Erfahrungsbericht - sie sortiert nur, was wo liegt und wofür der Ort bekannt ist.

Ort Ufer Bekannt für
Peschiera del Garda Südost Festungsstadt, Bahnhof, Tor zu Gardaland
Lazise Südost Altstadt mit Scaligerburg und Hafen, Camping-Cluster, Freizeitparks nah
Bardolino Südost Weinort, lange Promenade, Seebäder
Sirmione Süd Halbinsel, Wasserschloss, Grotte di Catullo, Thermen
Desenzano del Garda Südwest größter Südort, Bahnhof, Hafen
Garda Ost namensgebende Bucht, Promenade, Rocca
Torri del Benaco Ost Scaligerburg, Autofähre nach Maderno
Malcesine Ost Scaligerburg, Seilbahn auf den Monte Baldo
Salò West größte Bucht, Promenade, Kurort
Gardone Riviera West Vittoriale, botanischer Garten Heller
Limone sul Garda West Zitronengärten, enge Gassen, Fähranleger
Riva del Garda Nord Altstadt, Torre Apponale, Sport
Torbole Nord Surf- und Kite-Revier
Nago Nord Bergdorf über dem See, Marmitte dei Giganti

Entfernungen: der Ring ist größer, als er aussieht

Der wichtigste Planungsfehler am Gardasee ist, die Karte zu unterschätzen. Auf dem Bildschirm sieht alles nah aus. In Wirklichkeit ist die Uferstraße einmal herum eine Tagestour, und die enge Gardesana lässt sich nicht schnell fahren.

Strecke ca. Distanz ca. Fahrzeit
komplette Seeumrundung ca. 150 bis 160 km ca. 3 bis 4 Stunden reine Fahrt
Peschiera - Riva del Garda ca. 78 km ca. 1 bis 1,25 Stunden
Peschiera - Lazise - Bardolino kurze Etappe ca. 30 Minuten plus Stopps
Lazise - Sirmione (Bogen über Peschiera) ca. 25 bis 30 km unterschiedliche Angaben, stark verkehrsabhängig
Lazise oder Bardolino - Malcesine ca. 40 km rund eine Stunde (Angabe unsicher)
Autofähre Maderno - Torri del Benaco Seequerung ca. 20 Minuten Überfahrt
Autofähre Malcesine - Limone (nur Sommer) Seequerung ca. 30 Minuten Überfahrt

Zwei der Zeitangaben stehen bewusst mit Vorbehalt da: Für die Strecken nach Sirmione und nach Malcesine gehen die Quellen auseinander, und beide führen über Straßen, die sich in der Hauptsaison stauen. Verlasst euch dort auf den tagesaktuellen Routenplaner und nicht auf diese Tabelle.

Rechnet die Hauptsaison auf

In Juli und August sind die Uferstraßen, besonders die enge Gardesana am West- und Ostufer, stark befahren. Die realen Fahrzeiten liegen dann deutlich über den Richtwerten oben, an Wochenenden ab dem späten Vormittag besonders. Wer mit Kindern im Auto sitzt, sollte das nicht knapp kalkulieren - eine Stunde Stau auf dem Rückweg vom Ausflug macht aus einem schönen Tag einen anstrengenden.

Wann die Fähre schneller ist als die Umrundung

Der See ist in der Mitte bis zu 17 Kilometer breit, aber die Straße führt außen herum. Wer also vom Ostufer ans Westufer will, fährt entweder einen weiten Bogen über den Süden oder er nimmt die Autofähre. Zwei Verbindungen sind für Familien mit eigenem Fahrzeug relevant: Torri del Benaco nach Maderno mit rund 20 Minuten Überfahrt, ganzjährig, und Malcesine nach Limone mit rund 30 Minuten, nur im Sommer.

Die Rechnung ist einfach: Sobald Start und Ziel ungefähr auf gleicher Höhe an gegenüberliegenden Ufern liegen, ist die Fähre fast immer die schnellere und in jedem Fall die entspanntere Variante - man spart sich den halben Ring und die Uferstraße dazu. Fahrpläne und Tarife wechseln saisonal, deshalb nennen wir hier bewusst keine Preise; das gehört vor der Fahrt beim Betreiber nachgesehen. Wir selbst sind keine der beiden Fähren gefahren, unsere Ecke lag ganz im Süden.

Welches Ufer für welche Familie

Kurz gefasst

Süd und Südost sind zum Wohnen und Baden, die anderen Ufer zum Anschauen und Erleben. Wer mit Kleinkind kommt, sollte im Süden schlafen und von dort aus dosiert Ausflüge machen - nicht umgekehrt.

Mit einem Kleinkind und einem Grundschulkind, so wie wir sie dabei hatten, führt eigentlich kein Weg am Südostufer vorbei. Flaches Wasser, kurze Wege, große Plätze mit Pool und Animation, Freizeitparks in Laufweite: Das ist die Kombination, die einen Urlaub mit zwei so unterschiedlichen Altersstufen überhaupt erst funktionieren lässt. Dass es dafür voll und nicht besonders italienisch-idyllisch ist, gehört zur Wahrheit dazu.

Wenn die Kinder älter sind, sicher schwimmen und Lust auf Sport haben, dreht sich das Bild - dann sprechen Wind, Berge und Wasser im Norden für Riva und Torbole. Und wer vor allem bummeln, Gärten und Villen anschauen und abends gut essen will, wird am Westufer eher fündig als bei uns zwischen Rutschen und Schaumpartys. Das sind allerdings Einschätzungen aus der Recherche, nicht aus unserem eigenen Urlaub.

Alles, was wir vom Gardasee mit Kindern gelernt haben, bündeln wir in unserem Gardasee-Überblick. Wie unsere Ecke konkret aussieht, steht in unserer Bewertung von Camping Piani di Clodia und beim direkten Nachbarn Camping Internazionale La Quercia. Was man von dort aus unternehmen kann, sammeln wir unter Ausflüge rund um Lazise - und die beiden Freizeitparks in Laufweite haben eigene Seiten: Movieland und der Caneva Aquapark.