Texel liegt gut vier Kilometer Seeweg vor Den Helder, die Fähre braucht dafür rund zwanzig Minuten, und in fast jedem Holland-Ratgeber steht, dass man mit Kindern unbedingt einmal rüber muss. Nach zwei Osterreisen sehen wir das anders — nicht weil die Insel schlecht wäre, sondern weil die Rechnung für viele Familien schlicht nicht aufgeht.
Deshalb stellen wir unsere These gleich an den Anfang, damit du nicht bis zum Schluss scrollen musst: Texel ist etwas für Texel-Liebhaber. Für alle anderen reicht Julianadorp auf dem Festland genauso — und von dort aus macht man eben mal einen Tagesausflug auf die Insel. Wer dagegen den Urlaub selbst auf die Insel legt, sollte sich das gut überlegen: Diese Fährfahrt auf sich zu nehmen lohnt sich unserer Meinung nach erst ab einer Woche Aufenthalt, nicht für ein verlängertes Wochenende.
Inhalt dieser Seite
Zwei Osterreisen, zwei Zeitebenen
Wir waren zweimal an Ostern auf Texel, zwei Jahre auseinander, und die beiden Besuche hatten völlig verschiedene Aufgaben. Ostern 2024 haben wir die Insel selbst angeschaut: Ecomare, den Leuchtturm an der Nordspitze und ein paar Ecken mehr. Ostern 2026 war es ein einziger Tag, der komplett für vier Ferienparks draufging — wir wollten wissen, wo man auf Texel eigentlich vernünftig wohnt.
Was in diesem Text steht — und was nicht
Über Ecomare und den Leuchtturm schreiben wir aus eigener Erinnerung, beides stammt von Ostern 2024. Über die anderen Ziele von damals — Schafhof, Inselbrauerei, Kaap Noord, die Dünen des Nationalparks — schreiben wir bewusst nichts: Wir waren dort, aber die Erinnerung trägt keinen ehrlichen Absatz mehr. Lieber dünn als erfunden.
Die Fähre: unproblematischer, als wir dachten
Vor der ersten Überfahrt hatten wir den größten Respekt — Fähre mit Auto und kleinem Kind, das klang nach Organisation. War es nicht. Wir mussten nicht reservieren, haben das Ticket vor Ort gekauft, sind eingewiesen worden, und das war es. Während der Überfahrt sind wir einfach im Auto sitzen geblieben. Das war alles vollkommen unproblematisch.
Auch die Reederei sagt das so: Man kann die Überfahrt antreten, wann man möchte, ein Datum oder eine Uhrzeit muss man nicht reservieren. Kassiert wird nur in Richtung Texel — auf dem Rückweg wird das Ticket gar nicht mehr kontrolliert.
Tipp 1: Plant 60 Minuten ein — nicht 20
Die reine Überfahrt dauert rund 20 Minuten. Für den gesamten Vorgang inklusive Anstellen, Warten und Verladen solltet ihr aber eine gute Stunde einplanen. Wer das mit einem knappen Zeitfenster im Kopf angeht, wird nervös; wer eine Stunde einkalkuliert, kommt entspannt an. Wie lange man vorher am Hafen sein soll, nennt die Reederei übrigens nirgends — die 60 Minuten sind unser Erfahrungswert, keine offizielle Angabe.
An Bord gibt es eine Theke mit Backwaren, belegten Broten und Snacks — praktisch, wenn ihr morgens früh los seid und das Frühstück knapp war.



Was die Überfahrt kostet
Der wichtigste Punkt zuerst, weil ihn viele falsch verstehen: Der Fahrzeugpreis ist ein Retourpreis und die Insassen sind darin enthalten. Ihr zahlt also einmal für das Auto — hin und zurück, mitsamt allen Personen, die drinsitzen. Die Reederei formuliert das wörtlich so: alle Preise gelten für eine Hin- und Rückfahrt inklusive Insassen.
Der zweite Punkt ist noch nützlicher: Es gibt keinen Sommer- und Wintertarif, sondern einen Wochentagstarif. Freitag bis Montag ist teuer, Dienstag bis Donnerstag deutlich günstiger.
| Tarif (Stand August 2026) | Preis | gilt für |
|---|---|---|
| PKW bis 6,5 m, Freitag–Montag | 48,00 € | Retour, inkl. Insassen |
| PKW bis 6,5 m, Dienstag–Donnerstag | 32,00 € | Retour, inkl. Insassen |
| Fußgänger, Erwachsene | 3,00 € | Retour |
| Kinder unter 4 Jahren (Fußgänger) | kostenlos | — |
| Radfahrer mit Rad | 6,00 € | Retour |
Tipp 2: Der Wochentag ist 16 Euro wert
Zwischen Dienstag und Donnerstag kostet dasselbe Auto 32,00 € statt 48,00 € — 16 Euro Unterschied für exakt dieselbe Fahrt. Unser Ausflug 2026 fiel auf einen Mittwoch, also genau ins günstige Band. Wer von einem Ferienpark auf dem Festland startet, ist beim Wochentag frei; wer am Anreisesamstag rüber will, zahlt drauf.
Zwei Fußnoten, damit ihr euch nicht an alten Zahlen orientiert: Die Tarife wurden zum 16. Juni 2026 angehoben (vorher 46,50 € beziehungsweise 31,00 €), in vielen Reiseportalen stehen deshalb noch die alten Preise. Und die PKW-Kategorie reicht bis 6,5 Meter Länge, nicht bis 6 Meter — wer breiter als 2,75 Meter unterwegs ist, fällt in eine spürbar teurere Klasse. Im Fußgängerpreis sind Gepäck, Kinderwagen und Haustier enthalten.
Unser Texel-Tag 2026: vier Parks an einem Mittwoch
Ehrlich vorweg: Wir haben in keinem der vier übernachtet. Wir waren tagsüber da, sind über die Gelände gelaufen und haben uns Unterkünfte stellenweise zeigen lassen. Beurteilen können wir also Anlage, Wege, Spielplätze und Angebot; alles Weitere steht auf den vier Einzelseiten. In je einem Satz:
- Ferienpark De Krim in De Cocksdorp an der Nordspitze: sehr durchwachsen, hat aber insgesamt das beste Angebot — wirklich sehr entwickelt.
- Landal Sluftervallei ganz oben am Meer: ein relativ toller Park, sehr überschaubar, mitten in den Dünen, mit einem alten und einem neuen Bereich.
- Camping Kogerstrand bei De Koog: das ist eher ein Campingplatz — Dünengelände, Wohnmobile, Stellplätze.
- Landal Kustpark Texel ebenfalls bei De Koog: einfach so eine Ferienhaussiedlung, typisch Roompot, von der Sorte gibt es viele.
Für einen Tagesausflug ist davon vor allem eines relevant, und es ist der Grund, warum die Insel als Tagesziel so gut funktioniert: Das Indoor-Spielparadies im Ferienpark De Krim ist kostenlos zugänglich — ausdrücklich auch für Tagesgäste, die nicht dort wohnen. Der Betreiber schreibt das auf seiner deutschen Seite genauso hin. Für Kinder von zwei bis zehn Jahren, in Begleitung eines Erwachsenen. Damit habt ihr an einem verregneten Apriltag ein Ausflugsziel, das keinen Eintritt kostet.
Das Schwimmbad bei De Krim ist etwas anderes als der Spielplatz
Für das Hallen- und Freibad im Ferienpark De Krim gilt genau die umgekehrte Regel: Tagesgäste kommen rein, aber nur mit Online-Reservierung — Einzelkarten gibt es vor Ort nicht. Gerechnet wird in Drei-Stunden-Blöcken, ab 15,00 € für Erwachsene, ab 12,00 € für Jugendliche von 4 bis 11 Jahren und ab 5,00 € für Kinder bis 3 Jahre (Stand August 2026; innerhalb der niederländischen Schulferien können die Tarife abweichen). Wer spontan mit nassen Kindern vor der Tür steht, hat also Pech.
Vom Fähranleger 't Horntje im Süden bis nach De Cocksdorp an der Nordspitze sind es rund 22 Kilometer und gut 25 Minuten Fahrt, nach De Koog an der Westküste etwa 13 Kilometer. Die Insel ist also klein — aber nicht so klein, dass man vier Parks, ein Museum und einen Strandnachmittag an einen Tag bekommt.
Ecomare: der Ausflug, der auch bei Regen funktioniert
Ecomare liegt in den Dünen südlich von De Koog und ist Naturzentrum, Seehund- und Vogelauffangstation, Meerwasseraquarium und Besucherzentrum des Nationalparks in einem. Die Seehunde sind die Hauptattraktion — sie sind der Grund, warum Kinder dort stehen bleiben.




Die harten Zahlen für die Planung, Stand August 2026: Erwachsene 17,00 €, Kinder von 4 bis 12 Jahren 11,50 €, unter 4 Jahren frei. Für zwei Erwachsene und zwei Kinder in dieser Altersspanne landet ihr damit bei 57,00 € — eine Familienkarte gibt es nicht. Geöffnet ist täglich von 9:30 bis 17:00 Uhr, der Kassenschalter macht schon um 16:30 Uhr zu. Der Parkplatz vor dem Haus ist kostenlos.
Tipp 3: Legt den Besuch um die Fütterungen
Die Seehunde werden um 11:00 und um 15:30 Uhr gefüttert, das Meerwasseraquarium um 14:30 Uhr — alles drei mit Erklärungen der Tierpfleger und ohne Aufpreis. Das ist der beste Taktgeber für den Tag. Eine Warnung für deutsche Familien: Die Aquariums-Präsentation läuft auf Niederländisch. Ob es bei den Seehunden deutschsprachige Erläuterungen gibt, konnten wir nirgends belegt finden.
Drei praktische Dinge noch: Das gesamte Gelände ist rollstuhlgängig, und Rollstühle wie Kinderwagen kann man sich vor Ort ausleihen. Hunde dürfen nicht hinein (außer Blindenführhunde). Und zu Ecomare gehört ein 50 Hektar großes Dünengebiet mit zwei Wanderrouten, das ausschließlich über das Haus zugänglich ist — für den Auslauf nach zwei Stunden Ausstellung ist das Gold wert.
Der Leuchtturm von Eierland
Der rote Leuchtturm an der Nordspitze bei De Cocksdorp ist das Postkartenmotiv der Insel — und man kann ihn besteigen. Er steht seit 1864 da, wurde im April 1945 beim Georgischen Aufstand schwer beschädigt und danach wieder aufgebaut. Betrieben wird er für Besucher von derselben Stiftung wie Ecomare.

Der Aufstieg kostet 6,50 € pro Person, Kinder bis einschließlich 4 Jahre sind frei — einen Familientarif gibt es nicht, ab 5 Jahren zahlt jeder denselben Preis (Stand August 2026). Geöffnet ist täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr, im Juli und August donnerstags bis 21:00 Uhr. Für die Monate außerhalb der Saison widersprechen sich die Quellen — das schaut ihr kurz vorher beim Betreiber nach.
Tipp 4: Der Leuchtturm braucht ein Zeitfenster — und freie Arme
Anders als bei der Fähre ist hier eine Reservierung Pflicht: Ihr braucht ein Ticket mit Zeitfenster, weil der Turm nur wenige Leute gleichzeitig fasst. Spontan vorbeischauen kann schiefgehen. Nach oben führen 118 Stufen über sechs Ebenen, einen Aufzug gibt es nicht, länger als eine Stunde darf man nicht oben bleiben. Und der Punkt, der Familien mit kleinen Kindern wirklich trifft: Kinderwagen sind verboten — und Babytragen ebenfalls. Ein Kind, das die 118 Stufen nicht selbst schafft, muss also auf dem Arm getragen werden. Festes, geschlossenes Schuhwerk ist vorgeschrieben, Flip-Flops und Sandalen sind draußen.
Oben sieht man über Nordsee, Wattenmeer, den ganzen Inselnorden und bis zur Nachbarinsel Vlieland. Im Turm steht ein Teleskop, mit dem sich bei Niedrigwasser Seehunde auf den Sandbänken beobachten lassen — für Kinder, die unten in Ecomare schon welche gesehen haben, schließt sich damit ein Kreis.
De Koog und der Strand
De Koog ist der Ferienort der Westküste, mit einer kurzen Einkaufs- und Restaurantstraße und breiten Dünenaufgängen zum Strand. Oben am Aufgang steht neben dem Wegweiser eine blaue Tafel, die vor gefährlichen Strömungen warnt — die haben wir fotografiert, weil genau das die Information ist, die man gelesen haben will, bevor die Kinder ins Wasser gehen.




Das Fazit: Texel oder Julianadorp?
Und damit zurück zur Frage vom Anfang. Texel ist schön, keine Frage — aber es ist eben eine Insel, und eine Insel kostet immer einen Aufschlag: Fährfahrt, Wartezeit, Wochentagstarif, Unbeweglichkeit, wenn man einmal drüben ist. Wer diesen Aufschlag zahlt, sollte auch etwas davon haben. Bei einem verlängerten Wochenende hat man ihn zweimal bezahlt und kaum etwas von der Insel gesehen. Ab einer Woche sieht die Rechnung anders aus.
Unsere Empfehlung ist deshalb eine ganz praktische: Wohnt auf dem Festland und fahrt für einen Tag rüber. Von Julianadorp sind es rund 15 Straßenkilometer bis zum Fähranleger in Den Helder, gute 18 Minuten. Der Strand dort ist fantastisch, die Ferienparks sind gut — wir waren im Landal Beach Resort Ooghduyne, gleich nebenan liegt der deutlich strandnähere Ferienpark Strandslag — und ihr habt Texel trotzdem als Ausflugsziel in Reichweite. Mit dem Ferienpark De Krim und seinem kostenlosen Indoor-Spielparadies habt ihr dort ein Ziel, das einen ganzen Regentag trägt.
Wer trotzdem auf der Insel wohnen will: dann bitte richtig, mit einer Woche Zeit — und dann würden wir uns Sluftervallei oder De Krim ansehen, die beiden haben uns von den vieren am meisten überzeugt.
Wie dieser Tag in unsere ganze Osterreise passt, steht im Bericht über die Oster-Rundreise durch Holland. Was rund um Den Helder und Callantsoog noch geht, sammeln wir unter Ausflugsziele rund um Julianadorp.
